Auszug aus dem Kölner Stadtanzeiger 1958

 

700jährige Tradition sinkt in Trümmer

Bis auf wenige Meter haben sich die

Bagger an das alte Kirchlein im untergehenden

Dorf herangefressen. Wenn im Sommer

die dem heiligen Wendelinus gewidmete

Pfarrkirche abgerissen wird, dann sind es 68 Jahre,

in denen sich die Gläubigen hier zum Gebet

eingefunden haben.

Die Anfänge der Pfarrkirche gehen auf eine

schlichte Säule, die Wendelinussäule, zurück,

die vom Kloster Burbach im Jahre 1298

„Auf dem Berg“ errichtet wurde. Erst 300 Jahre

später, im Jahre 1623, entstand an der selben Stelle

eine kleine Kapelle. Als dann die Bevölkerungszahl

in den nächsten 200 Jahren auf einige hundert

Menschen angewachsen war, wurde die Kapelle

um ein Längsschiff erweitert. Erst im Jahre 1890

kam es zu einem Kirchenneubau, wie er sich,

bis auf die im Krieg beschädigten und später aus

Sicherheitsgründen abgetragenen schönen

Spitzturm, heute noch dem Beschauer präsentiert.

Kirche und Pfarrhaus werden mit den letzten

Besucher des alten Dorfes geräumt. Bis dahin

wird die große Glocke noch zum Angelus läuten

und auch im neuen Berrenrath gehört werden,

solange das neue Gotteshaus noch kein

 Geläut hat.

 

Turnhalle fehlt       

Es gibt in Berrenrath eine ganze

Reihe sporttreibender Vereine, die

früher sehr aktiv waren. Sie brennen

darauf, aufgezwungene Pause so

schnell wie möglich zu beenden. Die

schöne Platzanlage mit dem beschei-

denen Sportlerheim bietet leider nicht

zu jeder Jahreszeit genügend Sport-

möglichkeiten. „Uns fehlt eine Turn-

halle“ , ließ es auf der jüngsten Ver-

sammlung des Dorfgemeinschaftsvor-

standes. Für Berrenrath, das viele

Jugendliche hat, würde es sich lohnen.

 

Was meint der Gemeinderat dazu?

 

„Motel“  an der  L 274   

Bald wird es auch in Berrenrath ein

„Motel“ , ein Hotelrestaurant  für

Kraftfahrer, haben. Es soll an der

Landstraße 274, der ersten größeren

Verbindungsstraße zur Außenwelt,

auf der Strecke nach Gleuel errichtet

 werden.

 

Der „Rubel“ rollte      

Abgesehen von den Leistungen der

Industrie bei der Umsiedlung gab es

auch Mehrleistungen für die Allge-

meinheit: Kanalisation 750 000 DM.

Kläranlage 400 000 DM, Straßenbau

500 000 DM, Friedhof 140 000 DM,

Schule 500 000 DM.

 

Noch keine Apotheke      

Was in Berrenrath fehlt, ist eine

Apotheke. Die Bewohner müssen bis

Gleuel oder Knapsack laufen oder

fahren, um Rezepte einzulösen.

 

 Kein Uhrmacher         

So vielseitig das in Berrenrath an-

gesiedelte Gewerbe auch ist, einen

Uhrmacher gibt es hier noch nicht.

Dabei ticken in Berrenrath über tau-

send Uhren, und wenn mal eine

streikt, muß man sie nach auswärts in

 Reparatur gegeben werden.

 

Die ersten Umsiedler waren Tote                                                                                                                                                                                                                        Zugleich mit dem offiziellen Be-

schluss des Gemeinderates am 27 Feb-

ruar 1952 entsprechend dem Willen

der Bürger das neue Dorf in der

800 Meter entfernten Senke erbauen

zu müssen bestimmte der Rat als erste

Bauliche Maßnahme die Anlegung

eines Friedhofes. Bereits am 22 De-

zember 1952 als im neuen Berrenrath

noch kein Haus bewohnt war, konnte

der Waldfriedhof der schönste weit

und breit seiner Bestimmung über-

geben werden. Zugleich wurde der

alte Friedhof geschlossen. Die ersten

Neu-Berrenrather also die ins neue

 Dorf umsiedelten waren Tote.